Wenn man als Hund ins reifere Alter kommt

Das muss einfach einmal gesagt werden, dass wir Hunde-Damen nicht so herum zicken wie manche Menschinnen, wenn wir ehrlich unser Alter angeben sollen. Wir zeigen im Gegenteil durch unser Verhalten immer klar und deutlich und vor allem ehrlich an, wie hoch unsere altersbedingte Lebensqualität gerade ist, also wie alt wir uns gerade fühlen.

In meinem Alter habe ich im Schatten des Apfelbaumes viel Zeit zum Nachdenken

Auch bei uns Hunden ist aber das tatsächliche Alter nicht immer gleichbedeutend mit dem biologischen Alter. Genauso wie bei Euch Menschen ist unser Alter von der genetischen Veranlagung, von den Lebensgewohnheiten und nicht zuletzt von einer gesunden, artgerechten Ernährung abhängig. „Alter“ ist also relativ. Mein tatsächliches Alter beträgt 13 Jahre und 3 Monate.

Von Senioren spricht man bei kleinen Rassen ab ca. 8 Jahren und älter, bei mittleren Rassen ab ca. 7 Jahren und älter und bei großen Rassen ab ca. 6 Jahren und älter. Weil Ihr Menschen aber immer vergleichen wollt, wie alt ein Hund im Vergleich zum Menschen ist, hat mir der Rudel-Opa eine schlaue Tabelle aus dem Blechkasten besorgt, auf dem er immer herum fingert, wenn er wieder ein Buch schreibt und der zwar nach nichts riecht, aber der so „windige“ Geräusche von sich gibt. Manchmal gehorcht er auch offensichtlich nicht so wie der Opa will, weil er den „Blechdeppen“, wie er ihn dann nennt, oft gottsjämmerlich beschimpft. Aber heute hat er funktioniert:

Alter des Hundes Alter des Menschen in Jahren
Körpergewicht in KG: 2 – 10 kg 11 – 25 kg 26 – 40 kg über 40 kg
5 36 37 40 42
6 40 42 45 49
7 44 47 50 56
8 48 51 55 64
9 52 56 61 71
10 56 60 66 78
11 60 65 72 86
12 64 69 77 93
13 68 74 82 101
14 72 78 88 108
15 76 83 93 115

Also, (als Beispiel) nachdem ich zwischen 26 und 40 kg wiege (ganz genau sage ich mein Gewicht hier aber auch nicht), entsprechen meine zur Zeit 13 Jahre und 3 Monate, die ich auf meinem Buckel habe, einem vergleichbaren Menschenalter von etwa 82 Jahren.

Das Einsteigen ...

Da werden Sie auch verstehen, dass wir Hunde in so einem vergleichbaren Alter zum Beispiel nicht mehr besonders anpassungsfähig sind und unter anderem Verluste unserer Bezugspersonen oft nur noch sehr schwer überwinden können. Wir wollen auch wie Ihr Menschen, einfach in Würde alt werden und wir legen im Alter auch kein überschäumendes Temperament mehr an den Tag. Manchmal ist unser Kreislauf auch nicht mehr so in Schwung wie früher und wir bewegen uns generell einfach langsamer. Die Spaziergänge dauern immer länger und wir wollen nicht mehr so weit gehen. Dafür werden unsere Ruhephasen immer ausgedehnter, aber deswegen müssen wir nicht weniger Lebensqualität haben. Es geht eben alles nur etwas reduzierter, was andererseits auch seine Vorteile hat: Wir sind nicht mehr so stürmisch und triebhaft und so unüberlegt wie die jungen „Nasenbohrer“. Wir „Alten“ vergeuden unsere restlichen Energien nicht mehr. Wir setzen sie gezielt ein. Das schließt aber plötzliche Temperamentsausbrüche, als wäre man wieder jung, nicht aus. Es sind in der Regel aber nur „Momentaufnahmen“ und diese sollten die Menschen und wir alten Hunde genießen und uns darüber freuen, wenn wir noch einmal besonders gut drauf sind. Wir müssen uns noch früh genug mit altersbedingter erhöhter Krankheitsanfälligkeit aufgrund eingeschränkter Immunreaktion oder mit Funktionseinschränkung verschiedener Organe herumschlagen.

... und das Aussteigen aus dem Auto ist für Senioren mit einer Hunderampe bedeutend leichter!

Daher sollten regelmäßige Tierarztkontrollen helfen, altersbedingte Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, wie zum Beispiel Herzinsuffizienz, Nierenschwäche oder Arthrose. Die mindestens einmal jährlich durchzuführenden Altersschecks sollten mindestens enthalten: Gebisskontrolle, Kontrolle der Sinnesorgane, Herz- und Lungenuntersuchung, Blutbild mit Leber- und Nierenwerten.

Ich war mit meiner Menschin erst kürzlich bei einer gründlichen Untersuchung und sie war plötzlich nach einem Gespräch mit dem Arzt sehr traurig, weil sich bei mir ein Milztumor herausgestellt hat. Zum Glück habe ich keine Schmerzen aber wir wissen nicht, wie lange ich noch leben darf. Ich weiß aber ganz sicher, dass meine Menschen bis zum Schluss alles tun werden, um mir eine akzeptable Lebensqualität zu erhalten, ganz gleich, was es kosten wird. Ich habe schon erlebt, dass manche Menschen ihre Hunde gleich bei den ersten Altersschwierigkeiten (z.B. Inkontinenz, Bewegungsschwierigkeiten, Blindheit oder Taubheit usw.) vom Tierarzt das Einschläfern verlangen. Sie scheuen die Behandlungskosten und den Aufwand der Pflege. Der alte Hund ist für sie ein Störfaktor, denn sie schicken ja ihre alten Menschen auch in Pflegeheime.

Nicht nur wir alten Hunde können leichter essen, wenn die Schüssel höher steht.

Gerade im Alter brauchen wir besondere Zuneigung durch die Nähe unserer geliebten Menschen und besonders viele Streicheleinheiten. Jetzt brauchen wir auch noch regelmäßigere Körperpflege und unser Organismus eventuell die Unterstützung, z.B. mit Bachblüten. Lassen Sie uns auch nicht zu lange allein, denn, wenn wir schlecht hören oder sehen, entwickeln wir leichter Ängste. Wir suchen jetzt verstärkt die Geborgenheit in unserem Rudel, ganz gleich, wie es zusammengesetzt ist. Bei Mehrhundehaltung schützt bitte uns Alte gegen eventuelle Mobbing-Versuche jüngerer Hunde, was in der Regel aber nicht zu häufig vorkommt.

Wenn es dann doch so weit ist, dass wir über den Regenbogen gehen müssen, dann helft uns rechtzeitig und zieht unser eventuelles Leiden nicht aus Egoismus in die Länge. Der behandelnde Tierarzt wird auch über den richtigen Zeitpunkt beraten. Seien Sie nicht zu traurig, sondern dankbar für die langen Jahre, die wir miteinander glücklich waren.

Bis auf bald,
Eure Tante Peppi

Kategorien: Tante Peppi | Schlagwörter: , .

Einen Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*